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Unmut

Staatstrojaner und Bundestagsabgeordnete

Der digital vor-, ein- oder teilgebildete Teil der Republik echauffiert sich über den Bundestrojaner bzw. Landestrojaner. Ob zu Recht oder Unrecht, das werden wahrscheinlich demnächst Gerichte und Bundestagsausschüsse klären dürfen. Am 19.10.2010 hat sich Hans Peter Uhl, MdB, gewählt als Volksvertreter für den Wahlkreis München-West/Mitte, in einer aktuellen Stunde des Bundestages zu Wort gemeldet und dort wörtlich verkündet:

“Das Land wird von Sicherheitsbehörden geleitet (…) es wird regiert von Sicherheitsbeamten”

Das eigentlich Erschütternde ist, dass der Mann jedes Wort davon ernst meint und somit der Welt zeigt, dass er seine eigene Aufgabe als Volksvertreter nicht verstanden hat. Er und jedes andere ordentlich gewählte Mitglied des Deutschen Bundestags sind es, die unser Land regieren. So steht es im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, einer Verfassung, die auch Herr Uhl sicher in ausgedruckter Form irgendwo in einem seiner Büros stehen hat. Einer Verfassung, die umzusetzen er gewählt worden ist.

Wie kommt es also dazu, dass sich ein Mitglied des Deutschen Bundestags im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes ans Rednerpult stellt und ungestraft behaupten darf, Deutschland sei ein Polizeistaat?

Weil er seine Aufgabe nicht verstanden hat? Weil er in seinem Job überfordert ist? In beiden Fällen sollte Herr Uhl, Jahrgang 1944 und damit 67 Jahre alt, seinen verdienten Ruhestand antreten und seinen Platz Jüngeren überlassen. Jede Generation hat ihre Herausforderungen zu meistern.

So wie es aussieht, ist die Herausforderung, mit den Problemen des digitalen Zeitalters umzugehen etwas für eine Generation nach der von Herrn Uhl. Das ist nicht ehrenrührig, das ist einfach so. Und das ist auch gut so.

Danke an Internet-Law für den Hinweis

 

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Wikileaks und die Grenzen der Cloud

Da üben wir uns in Kritik an China, weil die herrschende Elite dort es scheinbar immer noch nicht begriffen hat, wieviel Freiheit man seinem Volk zumuten kann/darf/sollte.

Und hier, im freien Westen, wird ein Webauftritt aus dem Netz gefegt, ohne dass sich auch nur ein Politiker dazu zu Wort meldet. Und noch besser, Hauptverantwortlich für diesen unerhörten Akt der Zensur ist unser aller Vorreiter in Sachen Demokratie und freier Meinungsäußerung, die Vereinigten Staaten von Amerika. The. Land. Of. The. Free!

Dank den USA hat Amazon Wikileaks aus der Cloud gekegelt. Dank den USA ist Wikileaks derzeit hauptsächlich über die IP-Adresse verfügbar (http://213.251.145.96/). Dank den USA kann man Wikileaks keine Spenden über Paypal oder Mastercard senden. Und nicht zu vergessen, dank den USA hat Wikileaks überhaupt etwas zu berichten, was die Cowboys derart aufbringt, daß sie einen derartigen Druck auf Amazon, Paypal, Mastercard etc. ausübern.

Und die genannten Firmen ziehen hurtig den Schwanz ein, verweisen plötzlich und unerwartet auf ihre jeweiligen Geschäftsbedingungen und sperren Accounts, Inhalte, Domainnamen, Server und tun alles, um die Verbreitung der Wikileaks-Inhalte und die Unterstützung für Wikileaks zu ver- bzw. behindern.

Klar, wer für den Ku-Klux-Klan spenden will, kann das auch weiterhin tun, schließlich gibt es Paypal und Mastercard. Nur für Wikileaks kann man so nicht mehr spenden. Danke Obama.

Dabei steht alles, was Wikileaks zu Cablegate veröffentlicht hat, rein rechtlich gesehen zumindest in den USA nicht unter Copyright. Was also bewegt US-Senatoren, Druck auf amerikanische Firmen auszuüben. Der Glaube, damit das Problem eingrenzen zu können? Sorry, Senator Lieberman, damit erreichen Sie genau das Gegenteil. Vielleicht sollte man sich in Washington mehr mit Medienkompetenz beschäftigen. So kriegen Sie die Büchse der Pandora nicht wieder zu. Und das Gelächter aller Umstehenden, die über bessere Geheimhaltungsmechanismen zu verfügen scheinen, verstummt so auch nicht.

Und unsere Politiker? Wo ist Frau Aigner, unsere Verbraucherschutzministerin, wenn es mal wirklich was gibt, wofür man eintreten könnte? Aufwachen, Frau Aigner, hier könnten Sie Medienkompetenz beweisen und zumindest dem deutschen Verbraucher den Zugang zu den Wikileaks-Informationen erkämpfen. Eine einmalige Chance, sich ins rechte Licht zu rücken. Verpasst.

Nee, das Thema fasst keiner mehr an, seit die Woge über dem Büroleiter von Westerwelle zusammengefallen ist. OK, es reicht wahrscheinlich, um auf den Fluren im Reichstag verschmitzt über Westerwelle zu grinsen, aber für mehr geben sich unsere gewählten Volksvertreter wohl nicht her.

Was bleibt, ist der unangenehme Nachgeschmack, daß sich die Menschen selbst um die Informationsfreiheit kümmern müssen. Politiker, gleich welcher Nationalität, sind nicht für Informationsfreiheit zu haben.

Was auch bleibt, ist die Erkenntnis, daß die Cloud nur so frei ist, wie die Firmen, die ihre Dienste in der Cloud anbieten, es wollen.

Vielleicht wird es Zeit, freie Inhalte in eine freie Cloud zu verlagern…

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Der verschollene iPod bei DHL

Ich oute mich als bekennender Amazon Prime Kunde (Update 1: Mal sehen, wie lange noch). Es ist einfach nett, sich Montagvormittag etwas zu bestellen und es Dienstagmittag in den Händen zu halten. Das geht mit dem Gespann Amazon und DHL. Meistens.

Diesmal ging’s nicht. SWMBO wünschte sich einen Ersatz für den in die Jahre gekommenen iPod Video, den sie seit 2005 in ständiger Benutzung hat. OK, mit nur 60 GB Speicherplatz reicht’s ja auch kaum noch ;-)

Also bestellte ich einen würdigen Nachfolger, den iPod Classic, jetzt mit 160 GB, das sollte wieder ein paar Jahre reichen. Wenn er denn käme. Er kam aber nicht. Dabei hat er es fast geschafft. Laut DHL-Status war er sogar schon im Zustellfahrzeug. Das war am 6.12. um 07:59 Uhr. Eine Minute später muss ihm etwas Fatales passiert sein, denn für den 6.12. um 08:00 Uhr weist der DHL-Status aus, “Die Sendung wurde beschädigt und wird zur Nachverpackung in das Paketzentrum zurückgesandt.

Was ihm passiert ist, darüber schweigt sich DHL aus. Vielleicht von einem Gabelstapler überrollt, beim Schließen der Heckklappe eingequetscht, in den Schneematsch gefallen, von vorbeifliegenden UFOs entführt, wer weiß. Nee, das mit den UFOs scheidet aus, schließlich steht im Status ja, wird neu verpackt.

Das stand da auch noch am 7.12. Und am 8.12. Sogar noch am 9.12., als ich mir dachte, kontaktiere doch mal DHL, wo der iPod bleibt. Ich kann deutlich schneller iPods einpacken als DHL, dafür brauche ich nur max. eine halbe Stunde, wovon 25 Minuten schon für die Suche nach dem richtigen Karton und dem passenden Geschenkpapier eingeplant sind.

DHL zu kontaktieren ist aber entweder eine recht einseitige oder eine recht teure Kommunikationsform. Auf das Kontaktformular bekommt man keine Antwort und die kostenpflichtige Telefonnummer kostet 14 Cent pro Minute. D.h. DHL möchte, daß ich dafür zahle, daß sie mir erklären, welchen Fehler sie mit dem Paket gemacht haben, in dem mein Eigentum im Wert von 214,90 € steckt. Cooles Geschäftsmodell eigentlich. Mach einen Paketdienst auf, verzögere gelegentlich ein Paket und lass die ungeduldigen Kunden dafür zahlen, wenn sie sich nach drei Tagen nach dessen Verbleib erkundigen.

Ja, ich weiß, Dezember ist eine heiße Phase für alle Paketdienste. Es kann aber doch wohl nicht sein, daß sich ein Dienstleister so abschottet, wenn er seine Dienstleistung nicht erbringt.

Amazon hat übrigens eine kostenlose und freundliche Hotline (0800 3638469), auch wenn die Musik in der Warteschleife etwas blechern klingt. Aber die Warteschleife ist selbst im Dezember kurz und Frau Sch. von Amazon hat binnen zwei Minuten mit einem Anruf bei DHL mehr erfahren als ich über das Kontaktformular und den Web-Status. DHL hat es anscheinend in vier Tagen geschafft, den iPod im Paketzentrum neu zu verpacken. Ich bin gespannt, wann er ankommt. Wenn er Montag noch nicht da ist, kriege ich von Amazon eine Ersatzlieferung, hat Frau Sch. gesagt. Wenn er bis Montag kommt, werde ich ihn mir jedenfalls mit der ganz großen Lupe sehr genau ansehen, bevor er die hiesige Gadgetsammlung bereichern darf.

Update 13.12.2010: Die freundliche DHL-Mitarbeiterin an vorderster Front hat mir erzählt, das sie am 6.12. ein Paket wieder aus dem Wagen hat nehmen müssen, weil es beschädigt und leer war. Das wird der verschollene iPod gewesen sein. Toller Trick, den DHL da vor hat, ein leeres beschädigtes Paket so neu zu verpacken, daß am Ende wieder ein iPod drin ist.

Jetzt ist Montag, eben war DHL da, um mir die nächste Amazon-Bestellung zu bringen. Der iPod war, wer hätte es gedacht, nicht dabei. Leider scheint aber auch Amazon nicht ganz so kundenfreundlich zu sein, wie ich anfangs gedacht habe. Obwohl wir uns am Telefon einig waren, daß DHL den iPod wohl nicht liefern können wird, will Amazon entgegen der Zusage von letzter Woche erst frühestens am 16.12. eine Ersatzlieferung starten.

Da ich ein verständiger aber auch hartnäckiger Mensch bin, habe ich darum gebeten, den Vorgesetzte des Hotlinemitarbeiters zu sprechen. Der ist aber derzeit nicht zu sprechen, möchte aber innerhalb der nächsten 24 Stunden zurückrufen. Man darf gespannt sein. Sollte sich Amazon nicht auf Kundenfreundlichkeit besinnen, werde ich meine Weihnachtseinkäufe wohl lieber offline tätigen. Bei MediMaxiSaturnMarkt muß ich die Sachen zwar selbst holen, dafür habe ich aber direkte Ansprechpartner. Und Filialleiter können sich schlechter hinter Mitarbeitern verbergen als Hotline-Supervisoren.

Update 16.12.2010: Der Hotline-Supervisor von Amazon hat natürlich nicht zurückgerufen. Sechs Tage nach meinem ersten Kontaktversuch mit DHL kam gestern Nachmittag von DHL per Mail das Eingeständnis, daß das Paket auf Dauer nicht zustellbar ist und ich mich an Amazon wenden sollte. Da kam ich gerade vom Kauf eines iPod Classic vom MediMaxiSaturnMarkt zurück. Eben habe ich Amazon informiert, daß sie nicht nur meinen iPod von der Sperrliste nehmen können, sondern ihn mir auch nicht mehr zu schicken brauchen. Ich kaufe zukünftig wohl lieber nur noch Bücher dort, die ich in Buchhandlungen nicht sofort bekomme. Bei Büchern ist der Dampfdruck nicht so hoch, die verdunsten nicht auf dem Transport.

Und noch ein kleiner Tipp, man kann bei Amazon.de unter “Mein Konto -> Bestellungen” alle Bestellungen sehen, die man je dort getätigt hat. Ich habe mir mal die Mühe gemacht und alle meine Bestellungen der letzten zehn Jahre zusammengerechnet. Die Summe war ein heilsamer Schock.

Übrigens, ich möchte hier ausdrücklich diejenigen DHL-Mitarbeiter aus meiner Schelte ausnehmen, die die Pakete tatsächlich bringen. Die sind immer sehr freundlich und kompetent. Und natürlich nehme ich auch die Hotline-Mitarbeiter an der vordersten Front aus, die können nur im Rahmen ihrer Handlungsvollmachten handeln und sind freundlich und hilfsbereit.

Der heutige Unmuts-Award geht nichtsdestotrotz an DHL für die kundenunfreundliche Art der Kontaktmöglichkeiten und dafür, daß sie sich zum Verpacken von Paketen extrem viel Zeit lassen. Und ein weiterer Unmuts-Award geht an Amazon, die Geld für etwas nehmen, das sie noch gar nicht geliefert haben.

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Custumer Care 1&1: Ihre Kündigung wurde aktiviert

Nach einer längeren Aktion hat 1&1, der Internetprovider meines ehemaligen Vertrauens, meine Kündigungen “aktiviert”.

Dem ging Verschiedenes voraus. Es begann damit, dass es mich schon seit Jahren ärgert, daß 1&1 für seine Pakete immer mindestens ein Jahr Laufzeit hat. Und wenn ich seit Jahren sage, meine ich, dass ich seit 11 Jahren dort Kunde war. Trotzdem wird meine Kündigung nun erst zum 07.02.2010 akzeptiert. OK, steht in den Vertragsbedingungen, ist also rechtlich OK. Und ich will ja nicht, dass 1&1 in diesen Zeiten in finanzielle Schieflage gerät, nur weil ich plötzlich Webhosting und DSL kündige.

Was nicht OK ist und der eigentliche Anlass meiner jetzt vollzogenen Kündigungen war, ist eine eMail, die ich Mitte August von 1&1 bekam, in dem mir eine Erweiterung meines Webhosting-Tarifs bekannt gemacht wurde. Verdoppelung des Speicherplatzes auf 20 GB und unlimitiertes Transfervolumen. Soweit OK, wäre da nicht der kleine Haklen gewesen, dass diese automatische “Paketaufwertung” auch eine Preiserhöhung um 5 € pro Monat beinhaltet hätte.

Selbst das wäre noch in Ordnung gewesen, wenn ich durch einfaches Nichtreagieren bei den alten Vertragsbedingungen hätte bleiben können. Aber nicht mit 1&1, Widerspruch ist bitte bis spätestens Mitte September per FAX an eine kostenpflichtige FAX-Nummer (14ct/Min.) einzulegen. Das man auch per Post widersprechen kann, wird in der Mail gar nicht erwähnt.

Hier ein Auszug aus meiner Antwort per Mail an 1&1:

Ich halte es für unzulässig, dass mir von Ihnen zwar per Mail eine kostenerhöhende Vertragsänderung angekündigt wird, ich aber nur per kostenpflichtiger FAX-Nr. eine Einspruchsmöglichkeit habe. Statt dieses kostenerhöhenden Opt-Out-Verfahrens hätten Sie ein Opt-In-Verfahren einsetzen müssen, bei dem ich einer Vertragsänderung zustimme, wenn ich sie wünsche und nicht explizit Widerspruch einlegen muss, wenn ich es ablehne, den Vertragsänderungen zuzustimmen.

Hiermit lege ich auf dem gleichen Weg fristgerecht Widerspruch gegen die Vertragsänderung ein, auf dem Sie mir die Vertragsänderung angekündigt haben.

Und weil ich gerade in Schwung war und sich die Namen der maßgeblich verantwortlichen Herren ja in der Signatur der Mail an mich befanden, schickte ich diese Nachricht nicht nur ans Webhosting-Team von 1&1, sondern gleich auch noch an den Vorstandsvorsitzenden und den Aufsichtsratsvorsitzenden.

Danach machte ich mich an die Prozedur, meine Verträge mit 1&1 zu kündigen. Dazu muß man auf eine spezielle Seite. https://vertrag.1und1.com. Hier kann man dann anklicken, welche Verträge man kündigen möchte. Kündigt man nur eine Domain oder irgendein Zusatzpaket, erscheint nach erfolgter Transaktion ein Link auf ein PDF, dass man dann ausdrucken und an 1&1 faxen muss (14ct/Min.).

Wenn’s an den gesamten Vertrag geht, hat 1&1 noch eine Hürde zusätzlich eingebaut, der Link auf das Kündigungs-PDF erscheint erst, nach dem man eine immerhin kostenfreie 0800 Nummer angerufen hat, bei der man einen Aktivierungscode ansagen muss.

Und hier begann 1&1, mich in meinem Kündigungswunsch immer weiter zu bestärken. Die 0800er Nummer war für beide Kündigungen dieselbe. Es meldete sich eine Computerstimme, die mich aufforderte, meine Kundennummer anzusagen oder einzugeben. Dank Touchscreentelefon war Ansagen angesagt. Schon beim zweiten Mal hatte der Compi die Nummer richtig erfasst. Er bat mich, dass mit Ja zu bestätigen, was ich auch tat. Das erfasste er nicht so ohne weiteres, verband mich nach längerer Wartezeit aber mit einem richtigen Menschen.

Der Herr war freundlich, wollte mir die Kündigung aber ausreden, indem er auf andere Webhostingangebote von 1&1 verwies, die meinem Bedarf doch genügen könnten. Erst meine bestimmte Aussage, ich wolle einfach nur die Kündigungen aktivieren, brachte uns im Prozess etwas weiter. Die Kündigung für das Webhosting konnte er aktivieren, für DSL war er nicht zuständig. Soweit OK. Meine Frage nach einer Direktwahl, um ohne Umweg über den Sprachcomputer an einen DSL-Kollegen zu kommen, wurde abschlägig beschieden, er könne mir keine entsprechende Nummer nennen, es wäre ja auch eine ganz andere Einwahl. Mein Hinweis, ich hätte hier beide Aktivierungsnachrichten vorliegen und die Einwahl wäre identisch, wurde staunend zur Kenntnis genommen.

OK, ich weiß auch, dass der Mann gar keine andere Wahl hatte, er hat Anweisungen und Supervisor, die dafür sorgen, dass er sich daran hält.

Also nochmal die 0800er Nummer, der Computer und ich kamen mittlerweile richtig gut miteinander aus, immerhin wollte der mir nichts verkaufen. Als er mich dann an einen echten Menschen weiterleitete war das, genau, mein erster Gesprächspartner. Und plötzlich hatte der auch eine Durchwahl zum DSL-Team.

Dort wollte der nächste, weniger freundliche Herr von 1&1 eine ganz besondere Masche abziehen. Nach dem Angebot, mir ein viel tolleres DSL zum gleichen Preis zu verkaufen und meine Ablehnung dieses Angebots, kam er mit einem weiteren. Wenn ich erst so im November kündigen würde, könnte er jetzt schon das Sicherheitspaket kündigen. Aber dann dürfte ich eben erst im November oder so kündigen. OK, das hätte mir ein paar Euro erspart und seine Bilanz aufpoliert, aber mittlerweile wollte ich es nur noch hinter mir haben, wer weiss, ob ich im November oder so immer noch den Elan aufbringen, mich mit 1&1 herumzuärgern.

So, dass war geschafft, die beiden KündigungsPDFs waren freigeschaltet und ready for print. Mehr konnte man mit denen auch nicht machen, es waren keine PDF-Formulare, also war Handarbeit angesagt.

Dummerweise wollte unser FAX nicht mit dem von 1&1 reden oder umgekehrt, jedenfalls gab ich das FAXen nach zwei Versuchen zu 14ct/Min. auf. Und mein ProMail-Account von GMX wollte auch nicht an die 0180er Nummer der Schwestergesellschaft faxen.

Gerade als ich nach einem Umschlag suchte, klingelte das Telefon. Dran war mein Platinbetreuer von 1&1. Schnelle Reaktion, immerhin, keine zwei Stunden waren seit meiner Mail vergangen. Ich weiß nicht, ob die zusätzliche Adressierung an Vorstand und Aufsichtsrat diese Reaktionszeit verkürzt hat, verlängert haben wird sie sie aber wohl nicht.

Und wieder begann das freundliche Gespräch damit, man könne doch statt der Kündigung andere Wege gehen. Dazu wurde dann auch noch ein Incident von 2002 aus dem CRM gekramt, als eins unserer Scripte Amok gelaufen war, was zur kurzfristigen Sperrung des Datenbankzugangs geführt hatte. Danke, noch eine Bestätigung für die Beendung der Geschäftsbeziehungen.

Mein Hinweis, 1&1 hätte vielleicht mal dran denken sollen, für die Vertragsänderungen ein Opt-In-Verfahren anzusetzen anstatt eines kostenpflichtigen und umständlichen FAX-Opt-Outs wurde mit dem Hinweis auf interne Prozesse freundlich zerredet.

Liebe 1&1ler, ich kenne mich beruflich auch etwas mit IT-Geschäftsprozessen aus. Lasst euch gesagt sein, es geht, wenn man will und kostet nicht mehr. Für ein marktübliches Beraterhonorar helfe ich euch gern.

Die Krönung war dann abends noch eine Mail von dem Herrn, den ich als Aufsichtsrat mit in meine Mail an 1&1 aufgenommen hatte.

Guten Tag Herr Rennemann,

ich weiß zwar nicht wie Sie an meine email gekommen sind, aber eines
kann ich Ihnen sagen, dass ich Ihnen leider nicht weiterhelfen kann.

Sofern Sie dachten auf diesem Wege den 1und1 Vorstandsvorsitzenden zu
erreichen, muss ich Sie
leider enttäuschen. Es handelt sich hierbei um einen Privat-Account.

Sie denken doch nicht im Ernst, dass Vorstandsmitglieder per einfacher email
erreichbar sind.

Ich bitte Sie höflichst von weiteren emails abzusehen.

Mit freundlichem Gruß

XXX XXX (Name ist der Autor bekannt, aber hier unkenntlich gemacht)

Der Mann hatte die Mailadresse XXX.XXX@online.de. http://online.de führt wohin? Genau, auf die Startseite von 1&1. Noch besser, im From: der Mail steht tatsächlich “1und1″.

Nun gibt’s zwei Möglichkeiten. Entweder habe ich tatsächlich den falschen Herrn XXX in meinen Mailverkehr einbezogen, dann möge er mir verzeihen. Oder aber Herr XXX ist zwar gern Aufsichtsratsvorsitzender von 1&1, möchte aber mit Kunden nichts zu tun haben und verfügt nur über eingeschränkte Medienkompetenz. Sollte Letzteres der Fall sein, würde mich auch das in meinem Ansinnen bestärken, auf Geschäftsbeziehungen zu 1&1 zukünftig zu verzichten.

Ich glaube übrigens tatsächlich, dass man Vorstands- oder Aufsichtsratsvorsitzende per Mail erreichen kann. Natürlich nicht direkt, die haben üblicherweise jemanden, der Mails für sie bearbeitet und filtert. Sollte das bei 1&1 noch nicht so sein, nehme man es einfach als Anregung für die Zukunft.

Schließen möchte ich mit ein paar Anregungen an 1&1:

  • Ändert die Anweisungen an eure Hotline-Mitarbeiter. Wer kündigen will, will nichts kaufen!
  • Ändert das Vorgehen bei Vertragsänderungen. Opt-In statt Opt-Out wäre kundenfreundlich und kundenfreundlich ist in!
  • Schafft einen kostenneutralen Weg, euch was zu Faxen
  • Schafft die Vertragsverlängerungen um jeweils 12 Monate ab
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S-Bahn Berlin und Eisenbahnbundesamt, eine unheilige Allianz?

Tja, was sagt man nun dazu? Durch eine Verschärfung der Überprüfungen an den Radsätzen der Berliner S-Bahnzüge der Baureihe 481 und 482, die mittlerweile den größten Teil der Zugflotte der Berliner S-Bahn ausmacht, kommt es ab Montag in Berlin zu “Einschränkungen im S-Bahn-Verkehr“.

Und laut EBA ist natürlich nur die S-Bahn-Berlin schuld, wenn die es nicht schafft, für ca. 80% des rollenden Materials eben mal schnell Ersatz zu schaffen.

Nun ist es ja tatsächlich so, dass man hier in Berlin etwas lang geschlafen hat. Dafür wurden dann, als man aufgewacht ist, eben mal alle vier Geschäftsführerposten der S-Bahn Berlin von Altlasten befreit und man machte sich flugs an die Inspektion der Radreifen der betroffenen Baureihe. Das bedeutete auch bislang schon für die Fahrgäste, im Bahnjargon manchmal auch Beförderungsfälle genannt, dass sie enger zusammenrücken mussten und auf die eine oder andere Bahn verzichten durften. Statt als Vollzug mit acht Wagen verkehrt z.B. bei uns nur noch ein sechs-Wagen-Zug, Zwischenbahnen, die zu Spitzenzeiten einen Teil der Strecke zusätzlich befuhren, fallen ganz aus. Damit hat sich die Transportkapazität zumindest auf der S5-Strecke in Spitzenzeiten teilweise mehr als halbiert.

Dank der neuerlichen Intervention des EBA wird’s nun richtig dramatisch. Die S-Bahnen werden innerhalb des S-Bahn-Rings auf der Ost-West-Strecke zwischen Ostbahnhof und Bahnhof Zoo überhaupt nicht mehr verkehren. Stattdessen werden zusätzliche Regionalzüge eingesetzt, sieben pro Stunde und Richtung. D.h., dort, wo früher alle zwei bis drei Minuten ein S-Bahn-Vollzug fuhr, fährt jetzt alle neun Minuten eine Regionalbahn.

Warum das alles? Weil im Mai an einem Wagen der Baureihe 481 ein Radbruch auftrat und das EBA den unbeirrbaren Standpunkt vertritt, die reine Sichtprüfung, die in den letzten drei Wochen unter Hochdruck durchgeführt wurde, reicht nicht aus. Stattdessen werden jetzt Wirbelstrommessungen an allen betroffenen Radsätzen fällig. Fahrzeuge, die noch nicht überprüft worden sind, haben derzeit keine Betriebserlaubnis, können also auch nicht für Personenbeförderung eingesetzt werden.

Und das Beste ist, das EBA weist jegliche Schuld an dieser Misere weit von sich:

“Das Eisenbahn-Bundesamt weist darauf hin, dass die S-Bahn Berlin GmbH gesetzlich verpflichtet ist, die Sicherheit des Betriebs jederzeit zu gewährleisten. Es liegt jetzt in der Hand der S-Bahn Berlin GmbH schnellstmöglich für die Sicherheit zu sorgen.”

Da frage ich mich doch, was rauchen die Herrn Beamten da eigentlich? Wie weltfremd kann man sein, um aufgrund eines einzelnen Radbruchs eins der Hauptverkehrsmittel Berlins derart lahm zu legen. Wo bleibt da die Verhältnismäßigkeit? Natürlich will keiner von uns in einer S-Bahn sitzen, die wegen eines radbruchs aus den Schienen springt. Und niemand will, dass es beim nächsten Mal weniger glimpflich abgeht als beim Radbruch vom 1.Mai.

Und natürlich hat die S-Bahn Berlin GmbH zu spät auf die Anordnungen des EBA reagiert. Trotzdem bleibt die Frage, ob es verhältnismäßig ist, quasi die komplette Baureihe wegen eines einzelnen Radbruchs stillzulegen? Und ob sich die Herren Beamten tatsächlich auf die Position zurückziehen können, die alleinige Schuld träfe die S-Bahn und man selbst wäscht, wie weiland Pontius Pilatus seine Hände in Unschuld. Rein rechlich befindet sich das EBA in einer unangreifbaren Position. Moralisch hat das Eisenbahn-Bundesamt gerade verloren. Denn obwohl es vorgibt, im Sinne der beförderten Menschen zu handeln, hat es gerade hier aktuell kläglich versagt.

Ich lade die zuständigen Beamten gern ein, den Sommer über bei uns zu wohnen und jeden Tag mit mindestens zweimal Umsteigen in jede Richtung ihr Berufsleben in “vollen Zügen” zu geniessen.

Der Unmutsaward geht diesmal eindeutig an das Eisenbahn-Bundesamt. Danke, Leute, ihr habt Berlin einen unvergesslichen Sommer beschert.

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